Senegal - Unvorstellbare Ereignisse können manchmal ein vielversprechendes Projekt abrupt beenden. Auf nach Torodo, wo die Hoffnung verschlungen wurde, zumindest für eine Zeit.
Im Sommer 2024 haben sintflutartige Regenfälle das Dorf Torodo heimgesucht. Der Dorf Chef berichtet: „So etwas habe ich noch nie gesehen. Das Wasser strömte unaufhörlich und konnte wegen des sandigen Bodens nicht abfliessen. Plötzlich hörten wir ein Dröhnen, begleitet von Erschütterungen. Einige unserer Häuser bekamen Risse. Wir waren in Panik und verstanden nicht, was geschah. Alle Bewohner blieben in ihren Häusern versteckt und beteten, dass das alles aufhören möge.“
Nachdem der Sturm vorübergezogen war, traten die Bewohner vorsichtig aus ihren Häusern, um die Umgebung zu inspizieren. Es waren die Mitglieder der Frauengruppierung Bokk Dolé, die die unvorstellbare Entdeckung machten: ein klaffendes Loch von etwa zehn Metern Tiefe und rund zwanzig Metern Durchmesser mitten in der Gemüseanbaufläche. Der Brunnen und das gesamte Bewässerungssystem waren verschwunden. Die Schreie und Klagen zogen sofort das ganze Dorf an. Fassungslos erkannten die Bewohner das Ausmass der Katastrophe. Panik machte sich breit, könnte das ganze Dorf einstürzen? Aus Angst suchte ein Teil der Bewohner für mehrere Wochen Zuflucht bei Verwandten in den Nachbardörfern.
In nur wenigen Minuten hatte der Regen die Arbeit der 190 aktiven Mitgliedern in ihrer seit 2020 angelegten Gemüseanbaufläche vernichtet.
Die Ernten von Okra, Chili, Tomaten, Salat und Auberginen waren nur noch eine ferne Erinnerung. Nach den Heuschreckenangriffen im Vorjahr schien das Schicksal erneut gegen sie zu sein. Niedergeschlagen und ratlos sammelten sie das verbleibende Material ein und verkauften die 200 Hühner des ebenfalls beschädigten Hühnerstalls, ein schwacher Trost. Das Gelände ist nun wegen der Instabilität des Bodens gesperrt. Dieses bislang beispiellose Phänomen in der Region könnte mit seitlichen Hohlräumen zusammenhängen, die von den Brunnenbauern beim Bohren des Brunnens beobachtet wurden. Der aussergewöhnliche Wassereinbruch liess den Grundwasserspiegel bis an die Oberfläche steigen, destabilisierte den Untergrund und führte zum Einsturz.
Momy Diop, die Präsidentin der Gruppierung, erklärt: „Es ist ein sehr harter Schlag, aber wir dürfen uns nicht entmutigen lassen. Die Zeit des Klagens ist vorbei und wir suchen bereits nach Lösungen, um die Tätigkeit an einem anderen Standort wieder aufzunehmen. Allerdings werden wir dabei Unterstützung benötigen, denn leider verfügen wir nicht über die nötigen Mittel.“ Seit über einem Jahr laufen Gespräche zwischen unserem strategischen Partner und mehreren staatlichen Akteuren, und man hofft, bald eine Vereinbarung zur Wiederaufnahme des Gemüseanbaus zu erzielen. Zum Glück wurde die Hoffnung vom Loch nicht verschlungen.
Xavier Mühlethaler

