Madagaskar - Seit 2022 hat das Dorf Marovotry sein Gesicht verändert. Ein Gespräch mit den BewohnerInnen.
Bei einem Besuch im Dorf Marovotry in der Gemeinde Ambatomanjaka habe ich eine Revolution festgestellt: Trinkwasser fl iesst, Latrinen und Mülldeponien gehören zum Alltag und die Hügel werden wieder grün. Ich wollte wissen, wie sich diese Veränderungen auf das Leben der EinwohnerInnen auswirken, und stellte ihnen einige Fragen:
Welche Auswirkungen beobachten Sie nach vier Jahren?
Der Zugang zu Trinkwasser in unmittelbarer Nähe unserer Häuser stellt eine echte Revolution dar. Während wir früher täglich mehr als zwei Stunden für das Wasserholen aufwenden mussten, dauert diese Aufgabe heute nicht einmal zwanzig Minuten. Zudem ist das Wasser trinkbar. Wasserbedingte Krankheiten sind stark zurückgegangen, ebenso unsere Rückenschmerzen. Diese Verbesserung der Lebensbedingungen hat sich sogar positiv auf die Bildung ausgewirkt. Von der Wasserarbeit befreit, können sich die Kinder voll und ganz ihrer Schulbildung widmen, was sich in einer höheren Erfolgsquote bei der Abschlussprüfung der Grundschule widerspiegelt.
Welche Verhaltensänderungen haben Sie beobachtet?
Das wichtigste Bewusstsein betrifft die Müllentsorgung. Auch wenn noch nicht alles perfekt ist, wird das Dorf inzwischen regelmässig gereinigt, und der Müll wird auf Deponien entsorgt.
Die Sensibilisierung beginnt schon in der Schule. Unser Dorf war wahrscheinlich noch nie so sauber! Das Wasserkomitee, die Verantwortlichen der Zapfstellen und die Lehrkräfte tragen dazu bei, alle an die guten Praktiken zu erinnern.
Welche Herausforderungen begegnen Ihnen?
Der zu geringe Wasserdruck, insbesondere während der Trockenzeit, hat uns bereits dazu veranlasst, die Wasserquelle anzupassen. Hinzu kommt eine weitere Herausforderung. Die Bäume, die wir rund um die Quellen gepflanzt haben, wachsen nur langsam. Die Aufforstungsbemühungen werden fortgesetzt, aber es ist eine langwierige Arbeit. Zum Glück kann unser Dorf auf 57 Baumschulgärtner zählen, die an diesen Bemühungen beteiligt sind.
Wir werden an einem anderen Berghang eine neue Quelle erschliessen. So lässt sich das Risiko von Wasserknappheit verringern und das Wassernetz besser ausbalancieren. Die Erfahrungen der letzten vier Jahre haben uns dabei wertvolle Erkenntnisse geliefert.
Xavier Mühlethaler

